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mitp-Trainingsbuch: LPI-Level 1 - Making Of |
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Muss sowas sein? Sicher! Jede poplige DVD kommt heute mit einem Extrateil, wo man dem Regisseur beim Leute-Rumschicken und den Schauspielern beim gelangweilten Zigarettenrauchen zuschauen muss. Entsprechend können wir uns natürlich nicht bremsen, Sie hinter die Kulissen des LPI-Level-1-Projekts schnuppern zu lassen. Natürlich ist das hier eine persönliche, heftig durch die lange nicht geputzte Brille der Erinnerung betrachtete Version diverser Ereignisse in einer ziemlich hektischen Zeit und sollte nicht als offizielle Position der Linup Front GmbH missverstanden werden, aber »it's the truth even if it didn't happen« (Ken Kesey). – AL. Geschichte und GeschichtenDie Entscheidung, ein Buch für die LPIC1-Vorbereitung zu schreiben, fiel im Herbst 2003 - die SUSE AG hatte den Kontakt zwischen uns (der Linup Front GmbH) und dem mitp-Verlag hergestellt. Oliver Michel, Geschäftsführer der Linup Front GmbH, und Anselm Lingnau trafen auf der Frankfurter »LinuxWorld Expo« den mitp-Lektor Volker Bombien und stellten die Weichen für das Projekt – eine beachtliche Aufgabe, denn als wirkungsträchtiger Veröffentlichungstermin wurde die CeBIT 2004 angepeilt. Mitte November kam das offizielle »grüne Licht« des Verlags: Das erste Buchprojekt der Linup Front GmbH konnte beginnen! In der Linup Front GmbH fand sich ein Team für das Projekt zusammen: Außer Anselm Lingnau und Thomas Erker, einem erfahrenen LPI-Trainer, kamen noch Tobias Elsner aus Hilden und Dr. Michael Küpper aus Bonn dazu. Bei einem Treffen im Linup-Front-Büro in Darmstadt legten wir die Gliederung für das Buch fest, verteilten die Kapitel auf die vier Autoren und planten die weitere Vorgehensweise: Auf der Basis der existierenden Schulungsunterlagen sollte das erforderliche Wissen möglichst konzentriert präsentiert werden, ohne lange Optionslisten oder die Wiederholung leicht zugänglicher Dokumentation. Von Anfang an war klar, dass das LPI-Buch nicht wie viele ähnliche Bücher zur Vorbereitung zum Beispiel von Microsoft-Prüfungen eine Art kommentierte Zusammenstellung von »Braindumps« sein sollte, in der Fragen aus der Prüfung zusammen mit den richtigen Antworten aufgelistet werden sollten. Einerseits ist der Fragenpool für LPIC1 sehr groß und Braindumps nicht so verbreitet, und andererseits widerstrebte diese Vorgehensweise unserem pädagogischen Empfinden: Schließlich geht es nicht darum, die Prüfung durch gezieltes Pauken zu bestehen - Ziel sollte sein, Linux zu beherrschen und damit die Prüfung durch Erfahrung und Wissen abzulegen. Und wir fühlen uns als Trainer der Idee verpflichtet, Kandidaten Wissen über Linux zu vermitteln, statt ihnen nur das Nötigste für die Prüfung einzutrichtern. Also keine Listen von Prüfungsfragen mit kommentierten Antworten, sondern aufbereitete Fakten - und als netter Nebeneffekt ist das Buch damit auch für Linux-Anwender interessant, die einfach nur ein kompaktes Einführungsbuch suchen und denen die Prüfung gar nicht so wichtig ist. Trotzdem fiel schon früh im Projekt die Entscheidung, eine Simulationssoftware für die LPIC1-Prüfung anzubieten, um gleichzeitig eine realistische Vorbereitung zu ermöglichen und Platz im Buch zu sparen, der sonst für den Fragenkatalog hätte verwendet werden müssen. Die Buchgliederung beruhte zunächst auf den vom LPI veröffentlichten Prüfungszielen (objectives). Jedem Prüfungsziel ist ein »Gewicht« zugeordnet, das die relative Wichtigkeit des Themas für die Prüfung angibt; außerdem gehört jedes Prüfungsziel entweder zur Prüfung LPI101 oder zur Prüfung LPI102. Die Reihenfolge der Prüfungsziele in der LPI-Liste ist didaktisch nicht besonders sinnvoll. Während es uns nicht in erster Linie darum ging, ein Linux-Lehrbuch zu schreiben (für LPIC1 braucht man ja schon einige Erfahrung, so dass wenig im Buch dem Leser wirklich neu sein sollte), war es doch klar, dass das Ganze einen »roten Faden« haben musste. Wir haben die Prüfungsziele also umsortiert, um eine logischere Abfolge zu erreichen; zum Beispiel steht die Beschreibung der Dokumentation am Anfang, da die darin beschriebenen Informationsquellen - Handbuchseiten, HOWTOs, Internet - die Grundlage für eine selbstständige Erschließung und Vertiefung späterer Inhalte bildet. Das Buch ist mit einer »Roadmap« versehen, die LPI101- und LPI102-Kandidaten sagt, welche Kapitel und Abschnitte für die jeweilige Prüfung relevant sind. - Es blieb die Frage, wieviel Platz wir den einzelnen Prüfungszielen einräumen sollten: Als erste Näherung haben wir die Gewichtspunkte der einzelnen Prüfungsziele addiert. Die Summe von 215 legte nahe, dass ein »LPI-Punkt« bei einem angestrebten Gesamtumfang von etwa 400 Seiten knapp 2 Seiten im Buch »wert« sein würde. Ein Kapitel wie »Hardware und Architektur«, das Prüfungsziele mit dem Gesamtgewicht von 18 behandelt, sollte also etwas über 30 Seiten im Buch lang sein - endgültig sind es 25 geworden, hauptsächlich weil andere Kapitel ihr »Soll« zum Teil deutlich überschreiten. Das Kapitel »Drucken« etwa zählt 3 LPI-Punkte, aber in 5 Seiten lässt sich nicht alles Nötige sagen; im Buch sind es 11 Seiten. In derselben Zeit wurden auch die »Parameter« des Buchs vom Verlag aus vorgegeben: Druckfreigabe musste der 11. Februar 2004 sein, damit das Buch noch bis zur CeBIT 2004 gedruckt werden konnte, und der Umfang des Buches sollte 400 Seiten nicht zu weit überschreiten. Es war klar, dass keine Zeit zu verlieren war - zwischen offiziellem Projektstart und Druckfreigabe lagen nur gut neun Wochen, ein fast unmöglicher Zeitplan in Anbetracht der Tatsache, dass durch die Weihnachtsfeiertage Zeit verlorengehen würden und die Teammitglieder auch zeitweilig für Trainingseinsätze zur Verfügung stehen mussten. Wegen der knappen Zeit war nicht daran zu denken, die gewöhnliche Vorgehensweise des Verlags einzuhalten, bei der das Manuskript einem Satzbüro geschickt wird, das »Fahnen« zur Korrektur durch die Autoren produziert - diese Methode hätte eine Fertigstellung des Manuskripts Mitte Januar bedingt, und das war endgültig nicht machbar. Wir entschlossen uns also dazu, den Satz selbst zu übernehmen; das gab uns die Möglichkeit, praktisch bis zum Tag der Druckfreigabe auch inhaltlich am Manuskript zu arbeiten. Zum Glück steht mit dem frei verfügbaren Satzsystem LaTeX (natürlich unter Linux) eine Softwareumgebung zur Verfügung, die es erlaubt, publikationsreife PDF-Vorlagen hoher typografischer Qualität zu erzeugen. Auf der Basis eines bereits erschienenen Buchs aus derselben Buchreihe (»mitp-Trainingsbuch SUSE Linux«) entwickelte Anselm Lingnau in den ersten Projektwochen eine LaTeX-Formatvorlage, die im Laufe des Projekts immer weiter verbessert wurde. Die vom mitp-Verlag verwendete kommerzielle Schriftfamilie Scala wurde angeschafft und mit dem fontinst-Paket eine LaTeX-Einbindung dafür entwickelt. In derselben Zeit begannen Tobias Elsner, Thomas Erker und Michael Küpper mit der Zusammenstellung des Materials für ihre Buchkapitel (Anselms Teile mussten wegen der Infrastrukturarbeiten noch etwas warten - eine Verzögerung, die erst gegen Ende wieder wettgemacht werden konnte). Der Plan war ursprünglich, bis Mitte Januar »inhaltskomplett« zu werden und den Rest der Zeit mit Überarbeitungen zu verbringen; tatsächlich dauerte das bis in den Februar, und die letzten Teile - beispielsweise die Abschnitte über Platten-Kontingentierung oder den Internetzugang via PPP - wurden erst in den letzten Tagen vor der Druckfreigabe fertig! Das Prinzip, frühe Versionen einzelner Kapitel im Projektteam zu verteilen und Kommentare der Kollegen zu berücksichtigen, bewährte sich allerdings. Hier gab es Überraschungen zu erleben - den Preis für »aktiven Wortschatz« trug Thomas Erker davon, dessen Prosa routinemäßig Vokabeln wie »obzwar« enthält, und Diskussionsbedarf bestand zum Beispiel über den Grad der Eindeutschung des größtenteils englischen Linux-Fachvokabulars: »Passwörter« oder »Kennwörter«? »Shadow-Passwörter« oder »Schatten-Kennwörter«? Die Kommunikation erfolgte größtenteils über E-Mail mit einer eigens eingerichteten Mailingliste; die Zeit reichte nicht aus, um ein Quellcodeverwaltungssystem auf einem öffentlich zugänglichen Server zu installieren und einzusetzen (hauptsächlich weil nicht alle Projektmitglieder Erfahrung mit solcher Software hatten), aber Anselm Lingnau verwaltete ein privates GNU-Arch-Archiv mit der »offiziellen« Textbasis. Ende Januar begann sich eine unbequeme Tatsache herauszustellen: Das Buch war viel zu lang! Statt der angestrebten »netto« gut 400 Seiten ging es doch deutlich in Richtung 500, so dass die vier Teammitglieder sich als »Streichquartett« betätigen mussten. Einige Abschnitte mit für die Praxis interessantem, aber nicht direkt prüfungsrelevanten Material wurden entfernt (was für die thematische Ausrichtung des Buchs sicher auch kein Fehler war), und auch durch zeilenweises Umformatieren und Kürzen konnte die eine oder andere Seite eingespart werden. Die Sendmail- und Apache-Abschnitte wurden gekürzt und auch das Netzgrundlagenkapitel auf das Nötigste »eingedampft«. Und wir haben es tatsächlich geschafft - am 11. Februar ging eine 434 Seiten starke PDF-Datei an den mitp-Verlag. Zweifellos hätte das Buch mit mehr Zeit noch besser sein können, aber unter den Umständen ist das vorliegende LPI-Level 1 ziemlich gut (auch wenn wir das selber sagen). Beim nächsten Mal würden wir sicherlich das eine oder andere anders machen - aber dank leistungsfähiger Werkzeuge wie Linux, LaTeX und Arch ist auch ein solches Projekt für ein Team wie unseres in kurzer Zeit zu bewältigen. Der Fairness halber ist lobend zu erwähnen, dass alle Teammitglieder auch außerhalb der regulären Bürozeiten viele Stunden mit dem Projekt verbracht haben (da in der Arbeitszeit Kurse zu halten oder andere wichtige Dinge zu erledigen waren). Auch der Hardware-Fehlerteufel machte sich bemerkbar: Thomas Erkers Notebook streckte im Januar alle viere von sich, zum Glück ohne dass nennenswert Buchmaterial dabei verloren ging, und es dauerte fast bis zum Projektende, bis das Gerät wieder repariert zur Verfügung stand. Nicht verwirren lassen sollten Sie sich übrigens davon, dass das Buch in der Reihe »mitp-Trainingsbuch SUSE LINUX« erschienen ist. Wir sind rein prinzipiell und persönlich natürlich der Ansicht, dass ein Buch über die herstellerunabhängige LPIC1-Zertifizierung, das auch vom Inhalt her durchaus mit Absicht dem SUSE-Linux keine besondere Priorität gibt, nicht notwendigerweise unter der Flagge der SUSE erscheinen muss. Aber, so der Verlag, es ist nun mal die SUSE-Buchreihe. Außerdem wäre es ohne die SUSE wahrscheinlich gar nicht zu dem Projekt gekommen (Danke nach Nürnberg!), so dass es irgendwo auch in Ordnung ist, wenn das Chamäleon über unser Buch eine Publicity-»Freifahrt« abbekommt. Wir können nur versichern, dass wir versucht haben, den Inhalt des Buchs herstellerneutral zu halten, wenn das schon nicht für den Umschlag gilt - uns wäre das Linup-Front-Logo statt des SUSE-Reptils auf der Titelseite schon lieber gewesen, aber was nicht geht, geht nun mal nicht :^) Also: Wenn Sie Debian, Red Hat, Mandrake oder auch etwas ganz anderes verwenden - kaufen Sie das Buch trotzdem. Sie werden es hoffentlich nicht bereuen. Die zweite AuflageNach rund 5000 verkauften Exemplaren (für ein Fachbuch ganz anständig) und einer großen Revision der Prüfungsziele durch das LPI war es Mitte 2006 Zeit für eine neue Auflage – das fanden wir genau wie der mitp-Verlag (der zwischenzeitlich den Besitzer gewechselt hatte). Anselm Lingnau traf sich auf dem LinuxTag mit unserem neuen Lektor, Ernst-Heinrich Pröfener, und wir beschlossen, das Projekt über den Sommer in Angriff zu nehmen. Das war die Gelegenheit, außer der großen inhaltlichen Aktualisierung diverse typographische Versäumnisse der ersten Auflage zu reparieren (wer beide zur Verfügung hat, kann ja mal die Kapitelnummern in den lebenden Kolumnentiteln vergleichen ...) und verschiedene Sachen zu machen, die wegen der Kürze der Zeit bei der ersten Auflage irgendwie hinten runtergefallen waren. Sie sollten im aktuellen Buch zum Beispiel keine »Schusterjungen« oder »Hurenkinder« (alleinstehende Zeilen am Seitenanfang oder -ende) mehr finden, da diese alle in heroischem Einsatz extirpiert wurden. Das neue Buch ist etwa 30 Seiten länger als das vorige, wobei auch hier noch passgenaue Arbeit nötig war: Die erste Version der zweiten Auflage war genau eine Seite zu lang, so dass ein kompletter 32-Seiten-Bogen hätte angefangen werden müssen – aber 31 Seiten mitp-Werbung wären wahrscheinlich bei Ihnen nicht wirklich gut angekommen ... Losgeworden sind wir (glücklicherweise, wie wir unverschämterweise sagen müssen, aber die Fragen waren wirklich viele) das »SUSE LINUX« im Titel – LPI-Level 1 präsentiert sich jetzt als schlichtes »mitp-Trainingsbuch«. Wir hoffen, dass damit die Nr.-1-FAQ zu den Akten gelegt ist. Das (ursprüngliche) ProjektteamAnselm Lingnau ist nach einem Diplom in Informatik von der Uni Frankfurt und Assistentenzeit dortselbst seit Anfang 2002 bei der Linup Front GmbH beschäftigt (und war damals einer von dreieinhalb Trainern). In der Firma ist er federführend verantwortlich für die Konzeption und Erstellung von Schulungsunterlagen. Anselm benutzt Linux seit dem Kernel 0.99.12 (ca. Ende 1993) und teilt seine Vorortwohnung in Frankfurt mit ein paar Computern, einem Klavier und einigen hundert Pinguinen aus Plüsch, Ton, Glas und anderen Materialien - viele davon älter als Linux 2.0. Wenn er nicht gerade in Sachen Linux auf Reisen ist, unterrichtet er traditionellen schottischen Tanz im Frankfurt Scottish Country Dance Club oder macht es sich mit einem spannenden Roman auf dem Sofa gemütlich. Anselm ist SCLT und LPIC-1-zertifiziert; er kann LPI-Level 1 sehr empfehlen, denn nach dem Lesen des Buchs hatte er in der LPI101-Prüfung 890 von 890 möglichen Punkten. Thomas Erker ist Diplom-Mathematiker, Promovend in Philosophie und Freund des japanischen Denkspiels Go. Bei der Linup Front GmbH angestellt ist er seit Mitte 2002, und sein Hauptarbeitsgebiet ist die Planung und Durchführung von LPI-Vorbereitungskursen und -workshops. Thomas ist SCLT und LPIC-2-zertifiziert und lebt in Darmstadt. Tobias Elsner kam zur selben Zeit zur Linup Front GmbH wie Thomas Erker, nachdem er ein Diplom in Biologie abgelegt hat. Er wohnt in Hilden (bei Düsseldorf) und versorgt als SCLT und LPIC1 vor allem das Rhein-Ruhr-Gebiet mit Linup-Front-Kursen. Dr. Michael Küpper ist das »dienstjüngste« Mitglied des Projektteams und gehörte seit Mitte 2003 zur Linup Front GmbH. Inzwischen ist er allerdings zu unserer Partnerfirma pawisda systems GmbH abgewandert und implementiert dort innovative Postversand-Lösungen für Firmen. Als in Bonn ansässiger promovierter Physiker komplettiert er den wissenschaftlichen Hintergrund unseres LPI-Teams. Ansonsten müsste er mir nochmal ein paar Zeilen Biographie schicken. |